Internet-Reisebüros verlangen Preisaufschläge
Örtliche Reisebüros im Durchschnitt günstiger als die Konkurrenz im Internet - Viele Anbieter wählen automatisch Versicherungen aus
Väterchen Frost hat das Land noch fest im Griff, aber für die Planung des Sommerurlaubs ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Denn alle großen Veranstalter haben jetzt ihre brandneuen Angebote in Katalogen und im Internet veröffentlicht.
Wer seine Pauschalreise frühzeitig bucht, kann sich Preisvorteile sichern. Ob Internet-Reisebüros günstigere Angebote als örtliche Reisebüros bieten, hat Computerbild in Heft 3/2010 getestet.
Bei acht Internet-Reisebüros fragte die Zeitschrift die Preise für insgesamt 100 Pauschalreisen ab, alle mit festgelegten Reisedaten. Für 30 dieser Komplettangebote holten die Tester zum Vergleich Angebote von bundesweit 72 Reisebüros ein. Das Ergebnis überrascht: Häufig waren die örtlichen Reisebüros günstiger als die Online-Konkurrenz.
Bei Lastminute.de kostete beispielsweise eine 14-tägige Reise nach Dubai für zwei Personen insgesamt 4.372 Euro. In einem First-Reisebüro gab es ein Angebot mit exakt gleichen Leistungen schon für 2.832 Euro - eine Ersparnis von 1.540 Euro.
Insgesamt hatten die "Reisebüros um die Ecke" für 17 der 30 überprüften Pauschalreisen die günstigsten Angebote. Nur bei fünf Reisen waren sie am teuersten.
Bei der Buchung übertrugen alle Internet-Reisebüros sensible Adress- und Zahlungsdaten verschlüsselt und somit sicher. Ein großes Ärgernis waren hingegen Reiseversicherungen, die fast alle Internet-Reisebüros bei der Buchung automatisch hinzufügten.
Wer vergisst, den Reiseschutz wieder abzuwählen, bucht für viel Geld die unter Umständen überflüssige Police mit. Als einziger Anbieter im Test informierte Travelchannel über Reiseversicherungen und ließ dem Kunden dann die freie Wahl.
Auch die Zahlung kann sich als Kostenfalle herausstellen. So verlangen manche Veranstalter für die Reisebuchung per Kreditkarte Gebühren von beispielsweise 30 Euro. Eine weitere Falle kann in den allgemeinen Geschäftsbedingungen lauern. So wiesen etwa die AGB im Internet-Reisebüro Ab-in-den-urlaub.de gravierende Mängel auf, etwa bei Fristen für Schadensersatzforderungen - Abwertung auf "mangelhaft".
Den Computerbild-Testsieg sicherte sich der Internetanbieter Travelchannel mit den zweitgünstigsten Preisen, komfortablen Such- und Buchungsfunktionen sowie durch einfache Bedienung. Etwas günstigere Preise für die 100 überprüften Reisen bot nur Travelscout24.
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Kommentare
Fehlerhafter Vergleich von Online-Portalen und Reisebüros
Großes Kopfschütteln in der deutschen Reiseindustrie über ein angeblich "erstaunliches Ergebnis" eines Tests von Internet-Reisebüros und des stationären Vertriebs. Nach einem Vergleich von acht Online-Reisemittlern mit 72 stationären Reisebüros in Deutschland kam die in Hamburg erscheinende "Computer-Bild" in ihrer aktuellen Ausgabe vom 18. Januar 2010 zu dem Fazit, dass Pauschalreisen "im Reisebüro oft günstiger angeboten werden als im Internet." Peinliche Panne der Redaktion von "Computer-Bild": Im Test wurde beispielhaft das Angebot eines örtlichen Reisebüros allein mit dem Hotelpreis ohne jegliche Zusatzleistung mit dem Angebot eines Internet-Reiseportals verglichen, in dem neben dem identischen Hotel-Aufenthalt auch der Flug und Transfer inkludiert waren.
Konkret folgerte die "Computer-Bild" in dem Vergleich über eine 14tägige Reise für zwei Personen nach Dubai zwischen einem örtlichen Reisebüro und den Internet-Reisebüros, dass Kunden im stationären Vertrieb gegenüber dem Online-Anbieter 1.540 Euro sparen würden. Verglichen wurde jedoch das reine Hotel-Angebot in einem Fünf-Sterne-Hotel in Dubai mit der Pauschalreise eines Online-Reisemittlers, in dem neben dem Hotelaufenthalt auch Flüge und Transfer Bestandteil waren.
Michael Buller, Vorstand des Verband Internet Reisevertrieb e.V. (VIR): "Der Test ist methodisch falsch und wettbewerbswidrig. Der Computer-Bild sind nachweislich erkennbare Fehler in den Recherchen unterlaufen, die der gesamten Online-Reiseindustrie nachhaltig Schaden zufügen, und ein völlig falsches Bild von der Realität zeichnen."
"Durch die plakative Darstellung und den Vergleich von völlig verschiedenen Produkten mit stark differenzierenden Leistungen wird der Eindruck vermittelt, als sei das Buchen im Internet teurer als im Reisebüro um die Ecke." Michael Buller weiter: "Wir stellen grundsätzlich nicht in Frage, dass auch örtliche Reisebüros durchaus - beispielsweise über Sonderaktionen - sehr günstige Reisen anbieten können. Dennoch dürfte es sich auch bei der Redaktion der Computer-Bild herumgesprochen haben, dass sich im Internet aufgrund der Fülle der Angebote und der Transparenz in der Regel mindestens die gleichen Reisepreise finden lassen. Wenn man allerdings reine Hotel-Angebote mit Komplett-Reisen vergleicht, in denen auch die An- und Abreise mit dem Flugzeug und die Transfers enthalten sind, können selbst die für ihre attraktiven Preise bekannten Online-Reiseportale nicht mithalten."
"Es geht nicht darum, unterschiedliche Vertriebswege gegeneinander aufzubringen", stellt der VIR-Vorsitzende klar. "Ein angeblich seriöser Test muss jedoch einheitliche Produkte miteinander vergleichen. Bei dem jetzt veröffentlichten Test in der der Computer-Bild ist dies eindeutig nicht der Fall." (Quelle: Verband Internet Reisevertrieb e.V.)
Erwiderung von ›Computerbild‹
Der Verband Internet Reisevertrieb (VIR) hat mit massiver Pauschalkritik und Unterstellungen auf einen ›Computerbild‹-Test von Internet-Reisebüros (Ausgabe 3/2010) reagiert. In dem Test wurden acht Online-Reisebüros unter anderem auf Angebotsgröße und Preis untersucht. Alle Ergebnisse dieses Vergleichstests sind vollständig korrekt.
Unabhängig davon recherchierte ›Computerbild‹ für ein Zusatzelement des Artikels einen Preisvergleich zwischen den acht Testkandidaten im Internet und Reisebüros vor Ort. Dabei kommen die Tester zu dem zentralen Schluss, dass örtliche Reisebüros bei Pauschalreisen häufig günstiger sind als die Online-Konkurrenz. Die Redaktion bleibt bei dieser Darstellung, allerdings kam es zu einem Fehler im Detail. Auf Anfrage nach einer Pauschalreise (Flug ab Frankfurt) nach Dubai erhielt ›Computerbild‹ bei einem örtlichen Reisebüro der Kette First ein Angebot für 2.832 Euro. Der Preis entpuppte sich jetzt als falsch: Entgegen der Angaben des Reisebüros fehlen Flug und Transfer. Der Gesamtpreis in diesem Reisebüro lag mit Flug und Transfer stattdessen bei 3.817 Euro. Somit reduziert sich der Preisvorteil gegenüber dem günstigsten Preis bei Internetanbieter Lastminute.de (4.372 Euro, Veranstalter JT Touristik) von 1.540 Euro auf 555 Euro.
Der Verband einiger Internet-Reisebüros und Reiseveranstalter hat den gesamten Test jetzt öffentlich als "methodisch falsch und wettbewerbswidrig" bezeichnet. Außerdem wurde unterstellt, die Redaktion hätte "völlig verschiedene Produkte mit stark differenzierenden Leistungen" verglichen.
›Computerbild‹ weist die massive Pauschalkritik als unhaltbar zurück. Der vergleichende Test und der zusätzliche Preisvergleich beruhen auf anerkannten Richtlinien und sind methodisch vollständig richtig: Allen recherchierten Pauschalreisen lagen die identischen Reisedaten zugrunde: Personenzahl, Abflugtag und -ort, Dauer, Hotel, Zimmerkategorie und Art der Verpflegung. Ausschlaggebend war stets das günstigste Angebot.
Fazit: Die Testergebnisse der acht verglichenen Online-Reisebüros bleiben komplett bestehen. Bei dem zusätzlichen Element des Vergleichs Internet-Portale und örtliche Reisebüros ist ein Preis falsch. Die "Reisebüros um die Ecke" boten somit für 16 statt 17 der 30 überprüften Pauschalreisen das günstigste Angebot. Somit bleibt auch hier das Kernergebnis bestehen: Die örtlichen Reisebüros bieten im Schnitt günstigere Reisepreise als jeder Internetanbieter des Tests.
Pikant: Dem Lobbyverband gehören die fünf Internet-Reisebüros an, die im ›Computerbild‹-Test auf den hinteren Plätzen drei bis acht landen. Mit dabei sind Ab-in-den-urlaub.de, Expedia.de, Lastminute.de, Opodo.de und Weg.de. Alle fünf Anbieter haben von ›Computerbild‹ eine schlechte Teilnote bekommen, weil bei Buchungen in deren Angeboten kostenpflichtige Versicherungen automatisch vorausgewählt sind. Ab-in-den-urlaub.de musste sogar wegen gravierender Mängel in den allgemeinen Geschäftsbedingungen auf "mangelhaft" abgewertet werden. Lastminute.de ist in punkto Pauschalreisen im Durchschnitt der teuerste Anbieter aller acht Testkandidaten (Quelle: Computerbild.de, 20.01.2010).